Mutletter 249 – Stille Nacht

Stille Nacht

Guten Tag,

Stille kann heilsam und unerträglich sein, glücklich machen und verzweifeln lassen. Es kommt nur auf Ihre Erwartung und Definition an! Für Zen-Meister/innen ist sie das höchste Gut, weil es ihnen um ihre innere Stille geht. Ein anderes Anliegen verfolgt die vermeintlich kaufanregend plärrenden Stille-Nacht-Dauerberieselung.

Wenn es in uns still wird, verklingt der Gedankenschwall der Beurteilungen. Das Karussell der Überlegungen bleibt langsam stehen, woran noch zu erinnern oder was zu tun sei, wer etwas gesagt hatte, welche Ziele wir noch erreichen wollen, was wir falsch gemacht haben, wo uns jemand missverstand oder beleidigte. Ängste und Sorgen ziehen vorbei, wir halten sie nicht mehr fest.

Im 17. Jahrhundert entwickelten vor allem die Künstler/innen in Holland das beliebte Sujet des Stilllebens. Virtuos angeordnete, unbewegte Objekte stehen metaphorisch für ein stilles Leben. Wie immer, geht es über die gekonnte Darstellung hinaus, um einen inneren Wert, der mit den Bildern vermittelt werden soll. Gute Kunst erzählt uns etwas über einen wesentlichen Aspekt des Lebens, der unser bisheriges Denken und Fühlen bereichert, den wir über die Betrachtung mit allen Sinnen aufnehmen und mit uns tragen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine stille Zeit,

die Ihrem inneren Fühlen Raum und Zeit gibt,

Sie froh in Ihrer Mitte ruhen lässt,

mit herzlichem Gruss

Ihre Eva Mueller

 

 

Unter dem Titel „Stille Nacht” Die Weihnachtsgeschichte von 24 zeitgenössischen KünstlerInnen, zeigt die Künstlerin Maria Grazia Sacchitelli dieses „Krippenspiel 2014″ im Kunstverein im Schloss Schwetzingen noch bis diesen Sonntag.
Ihr „Stillleben” mit leeren Gläsern stösst uns an, über Leere und Fülle, schönen Schein und wirkliches Glück, die Bedeutung dessen, was beim Fest im Mittelpunkt steht, nachzuspüren. „Wie Schauspieler/innen auf einer Bühne führen sie ein Gespräch miteinander über Glanz, Freude, Traurigkeit, Werden und Vergehen der Weihnachtszeit”, sagt die Künstlerin selbst zu ihrer Installation. Das einst bedeutungsvolle Bild des heiligen Paares mit neugeborenem Kind, mit Hirten, Schafen und den drei Königen formieren nun unterschiedlichste Gefässe. Wenn wir uns selbst als solche sehen, kommt es darauf an, mit welcher Substanz wir uns füllen!

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