eva muellers visionary sunday post 473 – innovativ

„ES ÜBERLEBEN NICHT DIE STÄRKSTEN
SONDERN DIE INNOVATIVSTEN“
Prof. Paolo Bianchi

Guten Tag,

den Begriff des „lateral thinking“, also des „um-die-Ecke-denkens“ oder „Querdenkens“ prägte der Engländer Edward de Bono bereits 1967. Dass es mehr ist als ein Modewort, bestätigt Prof. Paolo Bianchi, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste, der dort ein Weiterbildungsangebot zum kreativen Querdenken anbietet.

Er meint: „Das Querdenken ist ein Akt und keine Sache. Es aktiviert vernachlässigte Ressourcen zu einer Gestaltungskraft, umgeht Gewohnheiten, um frei zu sein für neue Blicke und Erfahrungen. Jedes unvorhergesehene Erlebnis schliesst einen neuen Erfahrungsraum in uns auf…. Das entspricht dem evolutionären Prinzip in der Natur.“ (Interview Kulturmagazin Nr. 142)

Die grandiose Artenvielfalt mit unterschiedlichsten Individuen zeigt, es überleben nicht die Stärksten, sondern die Innovativsten. Und dass uns die Fähigkeit zum „um-die-Ecke-denken und dabei ganz-neues-erleben“ ursprünglich zu eigen ist, kann man wunderbar an Kindern beobachten (vorausgesetzt sie werden nicht mit langweiligem Spielzeug überhäuft, das alles von sich aus erledigt und sie zu Konsument/innen degradiert).

Unternehmen tun sich mit Querdenkern noch immer schwer. Soviel Neugierde, Forschergeist, Widerspruchsliebe, Begeisterung für Perspektivwechsel ist für gewachsene Strukturen eine Herausforderung. Andererseits erfahre ich grosse Freude, Dankbarkeit und Lust, an Hand von Gesprächen zur Kunst mal ganz Mensch sein zu dürfen, nicht nur in der immer gleichen Rolle mit eng begrenztem Aufgabengebiet gesehen zu werden, Staunen zu können, Entdeckungen zu machen, phantastische Ziele und Visionen zu entwickeln.

Wir brauchen viel mehr Möglichkeitsräume für diese wichtigen, innovativen und inspirierenden Impulse!

Dafür bin ich gern an Ihrer Seite,
frohe Frühlingsgrüsse,
Ihre Eva Mueller

 

Lili Fischer Porträt
Lili Fischer Porträt mit ihren Zeichnungen „Grazienentwürfe“

 

Eine Querdenkerin, die vor Witz, Können und Einfällen sprüht, ist die Künstlerin, Performerin und geniale Zeichnerin Lili Fischer. Bei der dokumenta 8 in Kassel hatte ich sie zum ersten Mal entdeckt, als sie mit ihrem Besentanz den Kehraus dieser internationalen Show einläutete. In den 90er Jahren konnte ich eine Ausstellung mit ihr kuratieren und erinnere mich noch heute erfreut an ihre fulminante Eröffnungsperformance.

Arbeiten von Lili Fischer waren vor kurzem wieder in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Im Dezember 2018 erhielt sie sehr zu Recht den Kunstpreis „Follow me Dada and Fluxus“ im Museum Ostwall. Feldforschung ist ihre künstlerische Methode – das Alltägliche bürstet sie gegen den Strich, öffnet Augen und vor allem auch Münder zum erkenntnisreichen Lachen. Sei es bei der „Gewürzpredigt für Pfeffersäcke“, der „Milchmädchenrechnung“ oder dem „Pflanzenkongress zur Wahl des Friedenskrauts“.