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Erfolgsstory 31 – Horst Kuhnert zum 80sten

Guten Tag,

1939 in Schlesien geboren, all den Wirren dieser Zeit ausgesetzt, war es Horst Kuhnert nicht in die Wiege gelegt einer der bedeutendsten Künstler geometrisch-konkret-konstruktiver Kunst in Deutschland zu werden.

Zunächst also erlernt er ein Handwerk, wird Schriftenmaler und Werbegrafiker. Und will kreativer, eigenständiger arbeiten. Mit diesem Wunsch trifft er auf Prof. Heinrich Wildemann von der Kunstakademie Stuttgart, der ihn ermutigt in seine Klasse zu kommen. Er beginnt mit abstrakter Malerei und entdeckt schliesslich die Bildhauerei für sich. „Von der Fläche in der Raum“ heisst passender Weise eine seiner Serien. Und genau das gelingt ihm mit seinen Raumflächen, Raumkörpern und Plastiken.

Was Kuhnert als Künstler auszeichnet ist, dass er stets etwas ganz eigenes, neues entwickelt. Sicher war er beeinflusst von konstruktiven russischen Künstlern wie Kasimir Malewitsch, der niederländischen De Stijl Bewegung um Piet Mondrian, dem Bauhaus mit Vorreitern wie Walter Gropius.

Doch als erster deutscher Künstler verwendet er Polyester. Kuhnert selbst begründet seine Suche nach dem Neuen auch mit einem Verständnis der Zeit. In einem Interview meint er „Nach 1945 sollte alles neu sein … Die Kunst war wieder frei für neue Ideen und Lebensentwürfe. Zugleich war es in der Kunst möglich an eine neue, positive Zukunft zu glauben. Ich begann also mit dem „Nichts“, wenn man das Harz als Nichts bezeichnen will. Gegenüber klassischen Materialien, die eine eigene Struktur haben, ist Polyester neutral. Es ist zunächst flüssig und sein Aggregatszustand muss erst hergestellt werden … Die Möglichkeiten, die das Material Polyester hergibt, musste ich erst erfinden und erarbeiten.“ Und genau das reizt ihn.

Ein weiteres Merkmal seiner Kunst ist das Gleichgewicht von Emotion und Rationalität. Auch in seinen persönlichen Entscheidungen findet sich dieser Wertekanon, beispielsweise bei der Ablehnung einer Professorenstelle oder eines Villa Massimo Aufenthalts als seine Tochter gerade ein Jahr alt ist und er nicht einfach für Monate nach Rom „verschwinden“ will.

„Mich treibt die Neugier, ich dränge weiter, ich suche nach neuen Möglichkeiten für meinen künstlerischen Ausdruck und dabei will ich auch noch von meinen eigenen Lösungen überrascht werden.“

Das ist doch ein wunderbares Statement zum 80. Geburtstag, das man sich nur zum Vorbild nehmen kann. GRATULATION!

Mit herzlichen Sonntagsgrüssen
Ihre Eva Mueller

 

 

Abb. „Raumflächen 69 s.w.L. 1969, Polyester, schwarz, weiss, 120 x 98 cm
„Raumflächen 69 w.s.R. 1969, Polyester, schwarz, weiss, 120x 98 cm

Dr. Simone Wichers, Leiterin der Berliner Repräsentanz (Fasanenstrasse 70) hat anlässlich des 80sten Geburtstags von Horst Kuhnert eine wunderbare Ausstellung zusammengestellt, in der man einen grossartigen Einblick in seine verschiedenen Werkgruppen erhält – und auch diese beiden Werke im Original sehen kann.