eva muellers visionary sunday post 582 – erfolgsstory 33 yayoi kusama

Guten Tag,

niemand spricht ein so breites Publikum an wie Yayoi Kusama. Als eine der höchstdotierten Künstlerinnen reihen sich weltweit Millionen von Besucher*innen in die langen Warteschlangen von Museen oder Galerien, wo auch immer sie ausstellt.

Bis dahin war es ein langer, harter Weg für sie. 1929 wurde Yayoi Kusama in Matsumoto, Japan geboren. Die lieblos-autoritäre Erziehung, ausgerichtet allein auf die traditionelle Rolle als Ehefrau und die traumatisierende Anweisung der Mutter, dem untreuen Vater hinterher zu spionieren, schlugen schwere Wunden in die Psyche des Kindes.

Yayois Begabung zur Malerei wird ignoriert. Viele Werke zerstört die Mutter. Trotz aller Widrigkeiten zeichnet sie unaufhörlich weiter und erreicht es schliesslich, in die Kyoto School of Arts aufgenommen zu werden. Depressionen und Selbstmordversuche wechseln sich ab. Auf Rat ihres Psychiaters entwickelt sie den Wunsch, in die USA zu gehen.

Über einen Kontakt zu der damals schon berühmten Künstlerin Georgia O’Keefe und verschiedene verwandtschaftliche Verbindungen erhält sie nach 8 Jahren endlich ein Visum. Die Eltern wollen sie nach dieser Entscheidung nie wieder sehen.

Auf dem Empire State Building angekommen entwickelt sie die Vision, als Künstlerin weltweit bekannt zu werden. Und das gelingt ihr auch, trotz psychischer Probleme, Hunger und Armut. In den 1960er Jahren ist sie mit ihren Happenings, Performances, politischen und künstlerischen Aktionen überall mittendrin. Sie beherrscht eine unglaubliche Palette an Medien und Ausdrucksmittel: Malerei, Skulptur, Film, Performance, Literatur, Modedesign und wird damit zum Vorbild für viele Künstler*innen.

Polka Dots, Punkte als Zeichen für die Unendlichkeit des Universums, werden zu ihrem Markenzeichen. 1975 kehrt sie nach Japan zurück und muss ihre Karriere in diesem Kulturkreis ganz neu aufbauen. Sie begibt sich in eine private psychiatrische Klinik, in der sie seitdem lebt und arbeitet. Jeden Tag malt sie von 9-18 Uhr in einem nahe gelegenen Atelier, bespielt mit Hilfe ihrer Assistent*innen weltweit Ausstellungen.

Eine sehr ungewöhnliche Lebenssituation, möchte man meinen. Von Beginn an scheint sich Yayoi Kusama nie für ihre Kindheitstraumata und die damit verbundenen psychischen Probleme zu schämen. Ganz im Gegenteil stellt sie sich ihren Ängsten. Nutzt sie mit transformatorischer Kraft für ihre Kunst. So entstand und entsteht (noch heute im Alter von 92 Jahren) ein unglaublich vielfältiges und umfangreiches Werk. Kusama gelingt es über die Erfahrung ihres individuellen Schicksals zu einem universell gültigen künstlerischen Ausdruck zu finden, der viele Menschen berühren kann.

Yayoi Kusamas Anliegen: „Ich hoffe, dass die Macht der Kunst die Welt friedlicher machen kann“.

Und hoffentlich haben wir bald Gelegenheit die erste umfassende Retrospektive ihrer grossartigen Rauminstallationen im Berliner Martin Gropius Bau zu besuchen!

Mit herzlichem Gruss
Ihre Eva Mueller

Auf dieser Seite des Martin-Gropius Baus in Berlin finden Sie zumindest schon mal den Film zur digitalen Eröffnung der Ausstellung mit Museumsdirektorin Stephanie Rosenthal: https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_299677.html

Abb. Yayoi Kusama: Eine Retrospektive, Installationsansicht 2021, Gropius Bau Berlin

Zur gleichnamigen Ausstellung „Yayoi Kusama: Eine Retrospektive.
A Bouquet of Love I Saw in the Universe

Copyright Foto: Luca Girardini